schnick und schnack

Heute habe ich in der Werbepause von Papillon zwei Episoden aus der neuen Hornbach TV-Werbung gesehen. Köstlich! Endlich mal wieder Werbung, die sich nicht so ernst nimmt und Spaß macht.

Leider mit Flash, aber dennoch zum Genießen für alle TV-Abstinenzler: www.schnickundschnack.de.

Ach ja, bitte nicht denken, ich würde von dem Baumarkt bezahlt, seit Blixa Bargelds Lesung ist man da hoffentlich unverdächtig.

  Nergal

WordPerfect 5.1 - oder die gute alte Zeit

Es gibt sie noch, die Programme, die man am besten in einer DOSe laufen läßt. Zum Beispiel WordPerfect 5.1, welches es zwar auch für Unix gibt, wovon ich aber leider keine Lizenz besitze.

Ich weiß noch wie ich um das Jahr 2000 herum verzweifelt versucht habe mit einem Font diverse Sonderzeichen in MS-Word einzugeben, persische, arabische und türkische Ortsnamen in einem Text können ein echtes Problem darstellen.

Hätte ich damals bereits WordPerfect 5.1 gehabt, wäre das alles kein Problem gewesen. Auch das Setzen von Spalten, Fußnoten, Seitenformatierung läuft wesentlich stabiler ab als unter so manchem Textbearbeitungsprogramm heute.

Aber das coolste was ich dort kennengelernt habe, ist daß es bereits Anfang der 90er überhaupt kein Problem war ein universell lesbares und layoutgetreues Dateiformat zu verwenden. Ich meine nicht das proprietäre Dateiformat von WordPerfect selber, sondern die PostScript-Ausgabe, die zum Lieferumfang gehört. Für wohl 95% aller Fälle reicht das für die gleichen Zwecke aus, wie heute der in OpenOffice, MS-Office und den vielen anderen Office-Suiten reichlich beworbene und als grandiose Innovation erachetete direkte PDF-Export.

Manchmal ist WYSIWYG ein wahrer Segen, aber nach einer Weile gewöhnt man sich wieder daran nicht gleich zusehen, wie es aussieht, sondern die Vorstellungskraft reicht vollkommen aus. Und wenn man es dennoch mal braucht gibt es eine schnelle Druckvorschau, die im Zweifelsfall einen schnellen Überblick verschafft. Im Prinzip ist das Schreiben auf WordPerfect sehr ähnlich wie HTML im Texteditor zu verfassen. Insbesondere wenn man sich die Steuerzeichen (also den Code der hinter dem ganzen Text steht) parallel darstellen läßt. Man sieht sofort, wo anstelle einer Einrückung der Tabulator mißbraucht wurde oder ähnliche Probleme. [Fett]und dieser Abschnitt wird fett[fett]: ist das nicht herrlich einfach? Genau deswegen gibt es ja auch Befürworter für OpenOffice diese Darstellung einführen zu wollen, wie dieses Macro für die 1.x Serie von OOo.

Fast jeder HTML-Editor hat dieses Feature, und wenn man bedenkt, daß es zum guten Ton auch in OfficeSuiten gehört bei HTML den 'Code' offen zu legen, warum nicht auch für normale Texte.

Übrigens ist dieser Modus so beliebt und auch die DOS-Oberfläche mit weißer Schrift auf blauem Grund (glücklicherweise kann man sich das anpassen ;) ), daß selbst in der jüngsten Version Office X3 von Corel dieser Modus einstellbar ist.

Für weitgehende Microsoft Abstinenzler wie mich gibt es aber auch noch eine andere Lösung, nämlich OpenDOS in einer Virtual Machine. Es äuft grandios schnell, nur die Maus zickt bisweilen herum, aber die braucht man sowieso kaum, da man sehr schnell mit Tastaturkürzeln arbeitet. Und dann noch schnell ein mount -t msdos /var/lib/vmware/Virtual\ Machines/floppy.img /mnt/floppy/ -o loop und schon kann man auf die Diskette aka Laufwerk A: gespeichertes Lesen und auch schreiben. Übrigens, wer WP 5.1 noch einsetzt hat oft auch noch Disketten. Darüberhinaus kann man damit noch auf Rechnern arbeiten, die im zweistelligen MHz-Bereich getaktet sind.

  Nergal

LibriVox

LibriVox ist eine meiner Lieblingsseiten im Netz, wenn ich mal Lust auf ein Buch habe, aber nicht Lesen, sondern Hören möchte.

LibriVox ist sozusagen manybooks.net zum hören. Freiwillige lesen Bücher, vorwiegend auf Englisch, aber auch in anderen Sprachen, vor und bei größeren Werken kommen mehrere zusammen, so daß kapitelweise ein Vorleser dran ist. Es gibt eine Menge sehr talentierter Vorleser, manche sind leider mit gutem Willen aber manchmal doch fehlendem Talent dabei. So ist es bei gemischten Stimmen bisweilen auch ein schwankendes Hörvergnügen. Aber nichtsdestotrotz ist es eine beachtliche Leistung, denn es sind bereits eine ganze Menge Bücher vertont, so daß so manche Stunde mit Kopfhörer und einem Buch verbracht werden kann.

Ich habe mir schonmal den Schimmelreiter von Storm auf deutsch heruntergeladen. Leider verweist der RSS-Feed nur auf die mp3-Dateien, denen man das mp3-Format bei niedriger Bitrate anhört.

  Nergal

Creative Commons Lizenz

Ich glaube zwar nicht, daß ich hier Dinge von großem Wert für andere verfassen werde, aber es soll auch nicht so sein, daß ich verbiete Auszüge daraus weiterzuverwenden. Eine Einschränkung ist, daß es nicht kommerziell genutzt werden darf, die andere verlangt, daß man das abgeleitete oder direkt kopierte Werk dann auch unter die gleiche Lizenz stellen muß wie die, unter die ich es gestellt habe.

Ich denke es ist fair für beide Seiten. Wenn jemand andere Bedürfnisse hat, bin ich natürlich bereit darüber zu reden.

  Nergal

Siemens - oder wie ich das Vertrauen in ein Unternehmen verlor

Liebe Leute von Siemens,
es mag ja sein, daß ihr es nicht leicht habt. Ich spreche jetzt gar nicht von den jüngsten Korruptionsvorwürfen und -vorfällen sondern von euren Produkten.

Ich war bisher ein Freund von Technik 'Made in Germany', manchmal nicht das günstigste, aber es gab mir die leichte Beruhigung, der Wirtschaft hierzulande wenigstens nicht zu schaden und hiesige Produkte hatten ja auch einen ausgezeichneten Ruf. Aber soeben ist da etwas zerrissen, nämlich ein Abschnitt Haut an meinem Finger, weil die Blende für das Batterienfach des Telephons dermaßen schwer zu öffnen war und gleichzeitig extrem spitze Kanten hat, so daß es mich tief schnitt.

Eure GigaSet-Produktserie habe ich bisher im Umfeld und am eigenen Leibe stets als Schund, sogar teuren Schund kennengelernt.

Überhitzte Akkus, nicht mehr ladende Akkus und Gummitastaturen an kabellosen Telephonen mit richtig guter Kapilarwirkung bis auf die Platinen, habt ihr die nur an Plastikdummies getestet? Router die mir bei der Vergabe eine statischen IP-Adresse sagen «"2" ist kein gültiger Wert, geben Sie bitte eine Zahl ein.» oder deren Bedienung nur in Verbindung mit dem IE von Microsoft funktionieren. Gott sei Dank gibt es vmware, so daß ich ohne eine Windowsinstallation mit umbooten das Ding bedienen kann.

Ich fand Eure Handys mal richtig toll anzuschauen, aber bei dem Vertrauen, daß ihr in das eigene Produkt verbreitet habt kam mir nicht mal der Wunsch eines zu erwerben. Glücklicherweise, denn wer käme jetzt für Garantiefälle auf? Mir geht es dabei um fachliche Kompetenz, nicht wer nun rein rechtlich dafür theoretisch gerade zu stehen hätte.


Schade, daß ihr es nicht mehr schafft Produkte herzustellen für Endverbraucher, die solide Technik wünschen.

  Nergal

The Civilization of China & Across China on Foot

Papierbücher nehme ich nur noch selten zur Hand. Die letzten beiden Bücher, die ich mir gekauft habe waren 'Python in a Nutshell' & 'Python Cookbook', da ich die nicht als ebook erhalten konnte und das nachschlagen doch manchmal leichter fiel als in den diversen online-Dokumentationen.

Aber ich drifte vom Thema ab
Meine neueste Entdeckung bei meinem bevorzugtem ebook-Anbieter manybooks.net lautet 'The Civilization of China' von Herbert A. Giles (1912).

Ich bin mir sicher, daß es modernere und umfassendere Werke gibt (215 KB reiner Text als pdb). Aber selten habe ich ein so angenehm zu lesendes Sachbuch in der Hand gehabt. Giles schreibt im Vorwort selber, es sei höchstens als Einstieg für erweiterte Recherche gedacht, diesem Ziel wird es bisher (knapp die Hälfte habe ich bereits durch) gerecht.

Giles gibt an passender Stelle immer wieder Anmerkungen zum historischen Rahmen, um gewisse Zusammenhänge zu erklären, ohne ins erstickende Detail zu gehen, so daß sich ein Rahmen bilden kann, in den man Puzzleteile der Geschichte und Kultur Chinas einfügen kann. Sein Hauptaugenmerk liegt aber sicherlich auf den verschiedenen Aspekten der Alltagskultur, von der Religiösität zum Rechtsverständnis. Unterbrochen wird das ganze von kleinen Ankedoten, die kurz nacherzählt abstrakt formulierten Eigenarten der chinesischen Alltagskultur einen Sitz im Leben verleihen.

Für jeden der sich mit der chinesischen Kultur vor Ihrer kommunistischen Zeit und vor der weitreichenden Industrialisierung beschäftigen möchte, ist dies sicherlich ein geeigneter Einstieg. Womit wir zum zweiten Buch zum Thema China kommen:
Ich habe leider 'Across China on Foot' von E. Dingle (1911) bereits zuvor gelesen und der journalistische Reisebericht und der eigenwillige Stil von Dingle erschwerten bisweilen die Quintessenz zu filtrieren. Hier hätte Giles Werk gute Dienste geleistet. Nichtsdestotrotz ist Dingles Reise das lebendige Gegenstück dazu. In einer Zeit kurz vor dem Umbruch in China, vor dem 1. Weltkrieg, und am kurz vorm Anfang vom Ende der Kolonialzeit reist Dingle zu Fuß mit einem Übersetzer und etlichen Trägern quer durch China.
Von verlausten schmutzigen Herbergen bis zu atemberaubenden Ausblicken in die Bergwelt Chinas, von Abenteuern mit Beamten und Soldaten bis hin zu Begegnungen mit anderen Europäern unterwegs, bleibt es immer spannend und man hat manchmal das Gefühl er schreibt über ein sehr modernes China, manchmal über ein China von vor tausend Jahren. Zwischen Tradition und Aufbruch. Im Spiegelbild auch oft ein Blick auf die britische / europäische Kultur um 1910 liefert es reichlich Anregung unseren eurozentrischen Blick auf die Welt von damals und heute zu verlassen.

Und hier die Verweise zu den ebooks:
The Civilization of China, H.A. Giles (1912)
Across China on Foot, E. Dingle (1911)

  Nergal