Gutschein sponsored by DIE ZEIT

Seit einiger Zeit verteilt man bei dem Buchhändler Thalia hübsche kleine Gutscheine im Wert von 5 €, wenn man diese bei einem Warenwert von 20 € auf dem Online-Shop von Thalia einlöse.

Das faszinierende daran ist, es gibt keine Einschränkung ob preisgebundene Ware (Bücher) oder nicht (CDs, DVDs, oder anderes). Und erst wenn man ganz genau hinschaut erkennt man, daß es natürlich nicht von Thalia stammt ... NEIN! die haben damit natürlich überhaupt nichts zu tun, sondern verteilen die Dinger nur freundlicherweise für den eigentlichen Gönner des baldigen Online-Shop-Kunden, nämlich DIE ZEIT. Weshalb die dann ganz klitzeklein in weiß auf hellem Grün Ihren Namen auf der Vorderseite und Ihr Logo (den Schriftzug) auf der Rückseite ganz dezent über dem ebenfalls schwarzweißen Barcode plazieren, mag man für tugendhafte Bescheidenheit halten.

Man kann es aber auf für die Umgehung der Buchpreisbindung halten.

Es wird nicht erklärt, was DIE ZEIT dazu bewegt für die Bevölkerung Konsumgutscheine in Höhe von 5 € zu verteilen. Dafür kann man etwas erahnen, wenn man sich den Artikel auf boersenblatt.net zu genau dieser Aktion (vom Vorjahr) durchliest (letzter Absatz).

Ich habe daraufhin mal versucht bei Thalia einen entsprechenden Kaufvorgang mir anzusehen, spaßigerweise gab es keine Möglichkeit den Gutscheincode einzugeben. Also konnte ich leider auch nicht sehen, was DIE ZEIT denn als Gegenleistung dafür bekommen sollte. Ich vermute ja mal die Adresse, Wert und Art der bestellten Waren, sowie die gewählte Zahlungsart wären in etwa 5 € Wert zur Neukundenakquise. Das ist natürlich nur eine Idee, um mir so viel Gutmenschentum erklären zu können. Aber sonst könnte man doch einfach bei jedem Kunden im Geschäft bei Einkäufen über 20 € einfach 5 davon abziehen und dem Kunden eine Karte von DIE ZEIT in die Hand drücken, wo drauf steht, daß man soeben von denen etwas geschenkt bekommen hätte. Das wäre vermutlich zu wenig an Information und Werbewirksamkeit.

Ich glaube es könnte eine ziemlich schäbige Art und Weise sein Bücher zu rabbatieren - entgegen der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung.

Ich bin gespannt, ob es da noch ein juristisches Nachspiel geben wird, ob diese Art der Geschäfte überhaupt zulässig ist

  Nergal

O Tempora, O Amazon


Quelle: Amazon-Paketverfolgung: Im Osten gehen die Uhren halt anders.

Sehr hübsch macht Amazon das. Kein Wunder, daß mein Paket heute nicht wie erwartet eintraf.

Naja, wenigstens das Frachtzentrum Greven scheint wieder auf dem Boden der Erde zu sein und irdische Zeiten zu bevorzugen.

  Nergal

Pendlerpauschale

Heute früh wurde ich als erstes intensiv im Radio informiert, daß die Pendlerpauschale doch am besten wieder für die alle gefahrenen Kilometer gelten solle.

Einen Diskurs über das für und wieder jenseits der finzanziellen Aspekte auf Seiten des Staatshaushaltes bzw. der betroffenen Pendler fand nicht statt. Journalisten sollten vielleicht des öfteren von Ihrer eigenen finanziellen Situation lernen zu abstrahieren. Dann würde auch nicht ständig von einem begangenen Unrecht gesprochen, bevor das Gericht entschieden hat.

Der Staat hat CO2-Emissionen einzusparen. Daß es folglich einen Grund geben könnte, die Menschen anzuspornen näher am Arbeitsplatz wohnen zu wollen habe ich nicht gehört. Daß diese Pendler sehr häufig die Städte verstopfen, daß man als Radfahrer in der Rushhour zwar manchmal schneller vorwärts kommt, aber die ganzen Abgase einatmet, derer, die gleich raus auf das Land wollen, wo die Luft besser ist, hat noch keiner als Argument angeführt.

Wer eine meist teuerere / kleinere Stadtwohnung nutzt und nicht die Landschaft zersiedelt, keine fossilen Brennstoffe via Automobil verbrennt, keine Verkehrstaus verursacht. Derjenige, der sich ein Fahrrad / gute Schuhe kauft bekommt nichts vom Staat geschenkt.

  Nergal

Sir John Retcliffe

Im Internet sind Versionen der Romane von Sir John Retcliffe (Hermann Goedsche mit bürgerlichen Namen) bei Gutenberg_DE und zeno.org verfügbar. Aber die wirklich vollständigen sind unter Bibliothek digitaler Reprints klassischer Abenteuerliteratur (BidiRkA) zu finden.

Gerade der Roman Sebastopol ist nur dort wirklich ebook-kompatibel erhältlich

Man muß gelegentlich über den anti-englischen Teil hinwegkommen. Wenn 'tapfere russische Soldaten' 'gnadenlos von englischen Truppen' niedergemäht werden, spürt die parteiische Darstellung sehr, aber immerhin erkennt er auch bei den ihm weniger sympathischen Nationen typische Tugenden an.

Im Roman Nena Sahib ist es bedingt durch die Situation mitten im indischen Aufstand von Kalkutta natürlich pro indisch und anti britisch geprägt.

Der deutsche/preußische Charakter ist ein allein dem Gewissen, von der politischen Haltung seines Staates losgelöster Arzt - in beiden Romanen. Das ist dann auch stets die Figur, mit der sich der Leser durch den hehren moralischen Anspruch identifizieren soll.

Die Darstellung des türkischen Hofes schwelgt in orientalischer schwülstiger Exotik, das man es fast schon als Karikatur begreifen könnte, natürlich unglaublich intrigant, vom Harem aus wird Weltpolitik versucht, ... - aber es hat durchaus seinen Reiz.

Goedsche ist zwar nicht im gesellschafts-historischen Kontext der NS und Post-NS-Zeit zu verstehen, aber er ist durchaus durch seine antisemitischen Romaninhalte stets zu hinterfragen. In den Bänden Sebastopol und Nena Sahib ist die Darstellung von jüdischen Charakteren 'nur' von Vorurteilen geprägt, wie ihn wie oben erwähnt die Briten oder Türken, oder allgemein Dunkelhäutige meist als Sklaven dargestellt werden, nicht minder treffen. Sein späteres Werk Biarritz, welches die angebliche 'jüdische Weltverschwörung' (Stichwort: Die Weisen von Zion) prägte hingegen steht für massiven Antisemitismus.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist Geodsche nicht alleine mit diesen vorurteilsbehafteten Sichtweisen, man muß es als Leser entsprechend werten.

  Nergal

Meinungsfreiheit in einer Parteiendemokratie

Wolfgang Clement hat sein SPD-Parteibuch zurückgegeben, ich bewundere diesen Schritt. Es ist sicherlich nicht einfach mit so vielen Jahren Zugehörigkeit einen Bruch zu vollziehen.

Seit vielen Jahren sehe ich es mit großer Besorgnis, daß die Parteien sich wie kleine Diktaturen innerhalb Ihrer Strukturen aufführen. Ist eine Partei denn ein kollektiver Wille - ja muß denn nach einem Parteibeschluß alles 'gleichgeschaltet' agieren oder schweigen? Ist es nicht gerade die stets geforderte Zivilcourage, die diejenigen auszeichnet, die sich nicht opportunistisch verhalten? Die Machtverzicht einem Gewissensentscheid vorziehen? Diese sind es, die sich nicht von der Macht korrumpieren lassen.

Es werden Begriffe wie 'Verrat, 'Abweichler' verwendet für Mandatsinhaber, die sich nach einer Gewissensentscheidung gegen eine Duldung durch andere Parteien entscheiden. Mandatsträger die der demokratische Souverän, das Volk, nicht die Partei gewählt hat.

Dieses Phänomen gab es bei Heide Simonis Niederlage, bei Ypsilantis gescheiterter Wahl. Es wird öffentlicher Druck ausgeübt, es werden Webseiten gesperrt, es werden Ausschlußverfahren angestrengt. Und wer zu seiner Entscheidung öffentlich steht muß unter dem Parteiapparat leiden.

Ich würde mir wünschen, daß Parteien in den Parlamenten keine Fraktionen mehr bilden dürften. Daß die Abgeordneten nach Zufall sortiert Platz nehmen und das Parlament dann Entscheidungen fällt. Ja vielleicht wäre sogar der radikale Schritt einer ruhenden Parteimitgliedschaft nötig, die die Abgeordneten nicht mehr der Partei verpflichtet sein läßt, sondern dem Souverän und dem Gewissen, wie es unsere Verfassung vorsieht. Genau das Prinzip, das für den Bundespräsidenten gilt.

  Nergal

Helium Vola

Vor kurzem habe ich einem Kollegen die Debüt-CD von Helium Vola ausgeliehen, da er diese nur auf seinem Notebook abspielen wollte, war es nichts mit dem Hörgenuß.

Die CD habe ich nun zwar bereits ein paar Jahre, aber nun packte mich doch der Ehrgeiz. Tatsächlich, unter dem Preisschild, daß noch immer auf der Rückseite klebte, kam es hervor "Nicht auf CD-Rom-Laufwerken abspielbar".

Die alterwürdige C'T nannte so etwas Un-CDs. Zurecht!

So leicht ließ ich mich aber nicht abschütteln. Auf der CD selber ist nämlich dieses wundervolle CDDA-Logo untergebracht, ganz klein und verschämt, aber da. So eine CD entspricht jedoch gar nicht mehr dem angegeben Standard "Compact Disc Digital Audio". Traurig, daß der Alster Musk Verlag sich dazu herabließ.

  Nergal